Die wahre Geschichte und Bräuche zum Muttertag
Am zweiten Sonntag im Mai feiern wir traditionell den Muttertag, um unsere Mütter zu ehren. Doch woher stammt dieser Brauch eigentlich? Manche glauben, der Muttertag sei eine Erfindung des NS-Regimes, andere halten ihn für einen cleveren Marketing-Schachzug der amerikanischen Blumenindustrie. Die wahre Geschichte ist jedoch viel älter und komplexer. Hier beantworten wir die häufigsten Fragen zur Geschichte und den Bräuchen rund um den Muttertag.
Woher stammt der Muttertag ursprünglich?
Die Wurzeln des Muttertags reichen viel weiter zurück als die NS-Zeit oder die Gründung der Vereinigten Staaten. Bereits 250 Jahre vor Christus feierten die antiken Griechen Feste zu Ehren der Göttin Rhea. Auch die Römer hielten im Rahmen des Kybele- und Attiskultes spezielle Verehrungsrituale ab. Da diese Göttinnen als Mütter der Götter und Menschen galten, können diese antiken Bräuche als die ersten Formen eines Muttertagsfestes angesehen werden.
Was hat es mit dem englischen „Mothering Day“ auf sich?
Im 13. Jahrhundert führte der englische König Heinrich III. den sogenannten „Mothering Day“ ein. Ursprünglich sollten Christen an diesem Tag der „Mutter Kirche“ gedenken. Daraus entwickelte sich schnell ein Familientag: Die ganze Familie kam zusammen, um gemeinsam den Gottesdienst zu besuchen. Im Jahr 1644 verfestigte sich dieser Brauch in Worcester zu einem echten Ehrentag für Mütter, an dem Familien feierten und Kinder ihre Mütter mit kleinen Geschenken, Blumen und einem speziellen „Mothering cake“ (Muttertagskuchen) überraschten.
Wer gilt als die Begründerin des modernen Muttertags?
Der Muttertag in seiner heutigen, offiziellen Form geht auf die US-amerikanische Frauenbewegung zurück. Nachdem Julia Ward Howe bereits 1870 eine Mütter-Friedenstag-Initiative gestartet hatte, war es schließlich Anna Maria Reeves Jarvis, die den Feiertag etablierte. Nach dem Tod ihrer Mutter (einer engagierten Frauenrechtlerin) am 9. Mai 1905 veranstaltete sie Gedenkfeiern und verteilte 500 weiße Nelken. Sie startete eine große Initiative und schrieb Briefe an Politiker und Geschäftsleute. Mit Erfolg: Am 8. Mai 1914 erklärte der US-Kongress unter Präsident Woodrow Wilson den zweiten Sonntag im Mai offiziell zum nationalen Muttertag.
Warum wollte die Erfinderin den Muttertag später wieder abschaffen?
Anna Maria Reeves Jarvis führte ursprünglich den Slogan „Lasst Blumen sprechen!“ ein (rote Nelken für lebende, weiße für verstorbene Mütter). Doch die Wirtschaft erkannte schnell das kommerzielle Potenzial. Plötzlich standen Parfums, Pralinen und Haushaltsgeräte im Vordergrund. Jarvis lehnte diese internationale Kommerzialisierung strikt ab, da die ursprüngliche Botschaft von Frieden und Frauenrechten verloren ging. Sie zog sogar vor Gericht und kämpfte bis zu ihrem Tod 1948 erfolglos für die Abschaffung des von ihr erschaffenen Feiertags.
Haben die Nationalsozialisten den Muttertag erfunden?
Nein, der Muttertag wurde nicht von den Nationalsozialisten erfunden. Er kam bereits 1923 aus den USA über England nach Deutschland. Das NS-Regime missbrauchte den Tag jedoch ab 1933 massiv für Propagandazwecke und benannte ihn in den „Gedenk- und Ehrentag der deutschen Mütter“ um. Das familiäre Mutterbild wurde instrumentalisiert: Frauen sollten dem Reich viele Kinder gebären, wofür ab dem achten Kind das „goldene Mutterkreuz“ verliehen wurde.
Warum wurde der Muttertag in der DDR lange Zeit nicht gefeiert?
Nach dem Zweiten Weltkrieg brachten US-amerikanische Soldaten den Muttertag wieder nach Westdeutschland. In der DDR und anderen Staaten des Ostblocks lehnte man diesen US-amerikanisch geprägten Feiertag während des Kalten Krieges jedoch ab. Stattdessen feierte man dort den Internationalen Frauentag. Erst seit der Wiedervereinigung wird der Muttertag auch in Ostdeutschland wieder flächendeckend am zweiten Sonntag im Mai gefeiert.
Wie wird der Muttertag heute gefeiert und was sind die beliebtesten Geschenke?
Heute wird der Muttertag in über 50 Ländern gefeiert, wenn auch mit unterschiedlichen Daten und Bräuchen. In Deutschland nehmen Kinder ihren Müttern oft die Hausarbeit ab oder bereiten das Frühstück vor. Kleinere Kinder basteln Karten oder bemalen Pappherzen. Ältere Kinder und Erwachsene setzen neben den klassischen Blumen und Pralinen zunehmend auf personalisierte Muttertagsgeschenke. Besonders beliebt sind individuelle Präsente wie eine schöne Blumenvase mit Foto oder andere liebevolle Fotogeschenke, die die schönsten gemeinsamen Erinnerungen festhalten und von Herzen kommen.












